Schlupfwarzen und Stillen: was vor und nach einer Korrektur möglich ist

Viele Frauen mit Schlupfwarzen beschäftigt eine Frage schon lange vor der ersten Schwangerschaft: Werde ich stillen können? Und wenn ich die Schlupfwarzen korrigieren lasse, verbaue ich mir das dann?

Beide Fragen lassen sich nicht pauschal beantworten. Aber sie lassen sich ziemlich genau eingrenzen.

Was eine Schlupfwarze ist

Bei einer Schlupfwarze (medizinisch: invertierte Mamille) wölbt sich die Brustwarze nicht nach außen. Sie liegt auf Hautniveau oder ist nach innen gezogen. Oft ist das angeboren, manchmal sind beide Seiten betroffen. Festes Bindegewebe unter der Brustwarze hält sie nach innen.

Nicht jede Schlupfwarze ist gleich

In der Fachliteratur werden drei Schweregrade unterschieden:

  • Grad I: Die Brustwarze lässt sich leicht herausziehen und bleibt draußen.
  • Grad II: Sie lässt sich herausziehen, zieht sich aber wieder zurück. Das ist die häufigste Form.
  • Grad III: Sie lässt sich kaum herausziehen, weil das Bindegewebe darunter sehr fest ist.

Für die Planung einer Korrektur ist diese Einteilung wichtiger als das Aussehen.

Stillen mit Schlupfwarzen

Viele Frauen mit Schlupfwarzen können stillen, oft mit etwas Unterstützung durch Hebamme oder Stillberatung.

Bei leichten Formen können Saughilfen oder Stillhütchen helfen, die Brustwarze zum Anlegen hervorzuholen. Gut untersucht ist das nicht, viele Frauen kommen damit aber zurecht. Ihre Hebamme oder Stillberatung zeigt Ihnen, was in Ihrem Fall passt.

Wenn Sie schwanger sind und Schlupfwarzen haben, sprechen Sie das frühzeitig an. Eine Operation ist in dieser Phase keine Option.

Was eine Korrektur am Stillen ändert

Bei einer Schlupfwarzenkorrektur löse ich das Gewebe, das die Brustwarze nach innen hält. Wie viel dabei gelöst werden muss, hängt vom Schweregrad ab.

Wo es möglich ist, gehe ich so vor, dass die Milchgänge erhalten bleiben. Das ist die Voraussetzung dafür, später stillen zu können. Es gibt Frauen, die nach einer solchen Korrektur ihr Kind gestillt haben. Bei sehr starker Einziehung lässt sich das nicht immer erreichen. Dann müssen Milchgänge durchtrennt werden, und Stillen ist auf dieser Seite danach meist nicht mehr möglich.

Darin liegt der Zielkonflikt, vor allem bei ausgeprägten Formen.

Was eine Korrektur nicht leisten kann

Ich kann Ihnen vor dem Eingriff nicht versprechen, dass Sie danach stillen können. Das kann niemand, auch weil das Stillen von vielen Dingen abhängt, die mit der Brustwarze nichts zu tun haben.

Dass sich eine korrigierte Brustwarze wieder einzieht, ist selten. In einer Auswertung von 33 Studien mit über 3.000 Eingriffen lag die Rückfallrate bei knapp 4 Prozent. Ganz ausschließen lässt es sich also nicht. Auch das Gefühl in der Brustwarze kann sich nach dem Eingriff vorübergehend oder dauerhaft verändern.

Und noch etwas: Zieht sich eine Brustwarze im Erwachsenenalter neu ein, ist das keine angeborene Schlupfwarze. Meist ist es harmlos. Es kann aber auch ein Hinweis auf eine Erkrankung der Brust sein, selten auch auf Brustkrebs. Lassen Sie das bitte zeitnah abklären, mit Ultraschall und Mammographie.

Vor oder nach dem Kinderwunsch?

Wenn Sie noch Kinder möchten und das Stillen für Sie wichtig ist, gibt es zwei vernünftige Wege. Bei leichteren Formen wähle ich eine Technik, die die Milchgänge schont. Bei ausgeprägten Formen kann es sinnvoller sein, mit dem Eingriff zu warten, bis die Familienplanung abgeschlossen ist.

Welcher Weg besser passt, entscheiden Sie. Ich erkläre Ihnen, was der jeweilige Weg bei Ihrem Befund bedeutet.

Wie das Gespräch bei mir abläuft

In der Erstberatung sehe ich mir die Brustwarzen an und bestimme den Schweregrad. Wir sprechen über Ihre Pläne, auch über einen möglichen Kinderwunsch, und darüber, was Sie stört. Danach erkläre ich Ihnen, welche Technik ich vorschlagen würde und was sie für das Stillen bedeutet.

Sie müssen sich im Gespräch zu nichts entscheiden.

Alles Weitere zum Eingriff selbst, zu Ablauf, Heilung und Kosten finden Sie auf meiner Seite zur Brustwarzenkorrektur in Wien.

Quellen

  • Han S, Hong YG. The inverted nipple: its grading and surgical correction. Plast Reconstr Surg. 1999;104(2):389–395. doi:10.1097/00006534-199908000-00010
  • Hernandez Yenty QM et al. Treatment of the benign inverted nipple: A systematic review and recommendations for future therapy. Breast. 2016;29:82–89. doi:10.1016/j.breast.2016.07.011
  • Yadav R et al. Breastfeeding Outcomes in Mothers with Retracted Nipples in the Immediate Postnatal Period: A Prospective Observational Study. Breastfeed Med. 2025. doi:10.1177/15568253251384964
  • Kaya Ö et al. The effect of interventions on flat and inverted nipple on breastfeeding: A systematic review. J Pediatr Nurs. 2024;74:e1–e13. doi:10.1016/j.pedn.2023.07.024
  • Lacey H et al. Hoffman’s Exercise for Breastfeeding Support Among Postnatal Mothers With Nipple Defects: A Scoping Review and Exploratory Meta-Analysis. Breast J. 2026. doi:10.1155/tbj/2162565
  • Mangialardi ML et al. Surgical Correction of Inverted Nipples. Plast Reconstr Surg Glob Open. 2020;8(7):e2971. doi:10.1097/GOX.0000000000002971
  • Hatcher KM et al. Evaluating acute nipple inversion, imaging findings and outcomes. Clin Imaging. 2024;113:110242. doi:10.1016/j.clinimag.2024.110242